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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Ein Spaziergang über den alten Kirchhof an der Dorfkirche Lichtenrade

von J. Bahl, Lichtenrade

Hier finden Sie einen Übersichtsplan unseres Kirchhofes.
Eine tabellarische Übersicht aller Gräber finden Sie hier.
Die im folgenden Artikel hochgestellten Zahlen geben die Lage der Grabstellen in diesem Übersichtsplan an. Um Ihnen einen schnellen Wechsel zwischen Text und Zeichnung zu ermöglichen, wird die Zeichnung im neuen Browser-Fenster geöffnet.
Eine Beschreibung der jeweiligen Grabsteine mit Bildern über den Zustand im Jahr 2003 erhalten Sie, wenn Sie auf die hochgestellten Nummern klicken.
Bilder : J. Bahl

Welchem Besucher unserer Dorfkirche in Lichtenrade sind nicht schon die Grabmale links und rechts vom Eingang aufgefallen, aber wer hat sie sich schon alle näher betrachtet und gar versucht, die Inschriften zu lesen?

Ein Hinweis auf zwei Grabsteine aus dem 18. Jahrhundert finden sich im Gemeindeblatt vom Juni 1952. Danach existierten ein 1912 erwähnter Grabstein der Pfarrfrau Sussin (gest. 1705) und der Stein des Pfarrers Köppen (gest. 1722), der bis zum Brand 1943 in der Kirche stand, nicht mehr.

Auf dem alten Friedhof, der (von einer Nachbestattung(17) 1999 abgesehen) Mitte der 1950er Jahre offiziell geschlossen wurde, befinden sich noch insgesamt 39 Grabmale, die aus den 1870er bis 1950er Jahren stammen. Dabei handelt es sich um verschiedene Formen wie dünne Steinplatten, die an Steinpfeilern in Form eines Baumstammes befestigt sind ("Baumpfeiler"), um Sockel mit einem Kreuz und um meist über 2 Meter hohe quaderförmige, sich oben verjüngende Grabsteine. Es sind auch noch zwei gusseiserne Grabkreuze vorhanden. Weiterhin befinden sich noch zwei Grabsteinfundamente, ein "Baumpfeiler" sowie die Überreste der Gruft der Familie Bornhagen auf dem Kirchhof.

Der Erhaltungszustand der Steine - und damit auch der Inschriften - ist sehr unterschiedlich. Die hohen schwarzen Steine aus schlesischen Granit sind am besten erhalten, während Steine aus Marmor und insbesondere Sandstein zum Teil erheblich verwittert sind, so dass die Inschriften nur schwer oder gar nicht mehr lesbar sind. Neben den Namen und Geburts- und Sterbedaten enthalten die Steine meistens noch kurze Verse aus der Bibel und weitere (persönliche) Inschriften.

Die Lage der Gräber der alten Bauernfamilien ist jeweils nach der Lage der (früheren) Bauernhäuser ausgerichtet.

Ein Ortsplan von Lichtenrade im Jahr 1754

Wir beginnen unseren "Rundgang" im Uhrzeigersinn links vom Haupteingang zum Kirchhof. Die Gräber sind in Ost-Westrichtung ausgerichtet.

Beschreibung im folgenden Absatz

Geradezu ins Auge springen hier die acht Grabsteine (Sockel mit Kreuz bzw. Steinplatten) der Familie Gebert(1-8). Auf drei Steinplatten, die an "Baumpfeilern" befestigt sind, finden sich die Namen von Caroline Friederike (1817-1891), Charlotte Friederike (1826-1900), Maria (1862-1922) und Auguste Elisabeth (1867-1890). Die Grabsteine (Sockel mit Kreuz) für Friedrich (1866-1954) und seiner Ehefrau Berta geb. Paul (1869-1946) mit einer Gedächtnisinschrift für Friedrich (1896-1918) und Ernst (1904-1941) sowie für Elisabeth (1893-1912) haben eine gemeinsame Gittereinfassung. Der Grabsteinsockel für Carl Wilhelm (1819-1888) besteht aus Sandstein und ist so verwittert, dass eine Inschrift nicht mehr zu erkennen ist. Auf der Rückseite befindet sich eine kleine Figur ein Engel, der für Frieden, Trost und Erlösung steht. 
Das Kreuz besteht aus Marmor und zeigt im oberen Teil "Hände", die Zusammengehörigkeit mit dem Verstorbenen bzw. Solidarität symbolisieren. Für Christian (1831-1914) befinden sich die persönlichen Angaben auf einer schwarzen Rauchglastafel im Sandsteinsockel und das Kreuz besteht ebenfalls aus Marmor. Der Sockel des schwarzen Grabsteins für Friedrich Wilhelm (1829-1894) und Charlotte (1837-1891) geb. Liepe, deren Angaben sich im Kreuz befinden, ist vollständig mit Efeu bewachen. Zwischen den Grabsteinen befinden sich noch mehrere mit Efeu bewachsener Grabhügel ohne Grabstein.

Fast an der Mauer zur Straße und auf der Erde liegend befindet sich ein kleiner Grabstein aus Quarzit für Karl Manja(13) (1863?-1896?).

Neben den Grabsteinen der Familie Gebert fällt der aus hellem Marmor bestehende Stein (Sockel mit Kreuz) für Auguste Rademeier(9) (1827-1894) auf. Für Marie Rademeier geb. Busse (1862-1897) steht ein hoher schwarzer Stein unter den Bäumen fast in der Ecke des Geländes.

Völlig unter einer Tanne verborgen steht der Grabstein, dessen Rückseite nur zu sehen ist, für den Lehrer Hermann Wille(10) (1855-1928) und für Marie geb. Schmidt (1863-1918). Zu erkennen ist die zwischen kleinen Steinpfosten hängende Eisenkette als Grabumrandung. Unmittelbar rechts davon (= nördlich) schließt sich die aus einem Eisengitter mit Tor bestehende Grabeinfriedung an, die einen schwarzen Grabstein (Sockel mit Kreuz) für den Kantor em. Friedrich Schmidt(11) (1835-1914) und Marie geb. Tauscher (1838-1910) und sowie ein kleines Kreuz auf einem Sockel (keine Inschrift erkennbar) umfasst. Hierbei dürfte es sich vermutlich um einen Stein für ein sehr früh verstorbenes Kind handeln.

Ganz in der Nordwestecke an der Mauer und von Sträuchern fast überwuchert steht ein Sockel mit Kreuz für Luise Karljude(14) (1809-1893).

Direkt an der Ostseite der Kirche steht der Stein für den Prediger Gotthelf Hildebrand(16) (1807-1894), der Pfarrer der Gemeinden Lichtenrade (von 1858-1892), Buckow und Mahlow war. Sockel und Kreuz sind aus Marmor und von Efeu überwachsen.

Links daneben befindet sich der Grabstein mit einer Platte aus schwarzem Granit für Pfarrer Gerhard Schmidt(17) (1899-1951) und seiner Ehefrau Helene (1900-1999). Pfarrer Schmidt war im April 1946 vom Konsistorium mit dem Pfarramt in Lichtenrade betraut worden und hatte sich mit besonderem Engagement dem Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten Dorfkirche gewidmet.

 Grabsteine Beschreibung im folgenden Absatz

Wir kommen jetzt zu den Grabsteinen der Familie Grunow (18-24). Der Stein für J. F. Wilhelm (1822-1886; 1874 Gemeindevorsteher) besteht im oberen Teil (Kreuz) aus Marmor und der Sockel aus Elbsandstein, der schon sehr stark verwittert ist. Von der Inschrift sind nur noch einzelne Silben und Buchstaben zu lesen. Im oberen Teil des Kreuzes befinden sich auch "Hände" und im unteren Teil die Symbole "Herz, Kreuz, Anker", die für Liebe, Glaube, Hoffnung stehen. Gegenüber befinden sich die beiden einzigen erhaltenen gusseisernen Grabkreuze des Kirchhofs für August (1828-1899) und für Wilhelmine geb. Wittenberg (1839-1875). Drei fast einheitliche Steine (Steinmetz Rogge aus Zossen) aus schwarzem schlesischen Granit für Gustav (1853-1895), Heinrich (1848-1899), Wilhelm (1846-1907) und der hohe Stein aus hellem schlesischen Marmor für Helene geb. Schwenck (1864-1891) bilden zusammen mit den zwei dahinter stehenden hohen schwarzen Steinen für Marie (1843-1916) und Carl Lehne(25-26) (1832-1892) eine einheitliche Gruppe rechts (=östlich) von der Sakristei.

 Grabsteine Beschreibung im folgenden Absatz

Östlich (=rechts) der Sakristei unter der Eibe befinden sich die Überreste der Grabstelle (Gruft) von Wilhelm Gottlieb Bornhagen(B) (1791-1866) und dessen Ehefrau Anna Charlotte (1793-1880). Die von ihr Ende 2003 aufgefundene gusseiserne Schrifttafel wurde dem Heimatmuseum übergeben.

Von Bäumen und Sträuchern fast verborgen befindet sich links vom Weg, also südlich der Kirche, ein hoher schwarzer Stein für Wilhelm Paetsch(28) (1823-1894) und Marie geb. Weise (1830-1917).

Vom Stein für Wilhelmine Friederike Paufler(29) geb. Schulz (1861-1905) steht nur noch der schwarze Sockel. Auf dem Sockel stand bis in die 1980er Jahre eine weibliche Figur ("Trauernde"), die zum Schutz vor Vandalismus in Sicherheit gebracht wurde. Sie steht jetzt in der Kirchhofskapelle Paplitzer Str. 10.

Wir kommen jetzt zu den Grabsteinen der Familie Happe(30-32): Ein hoher schwarzer Stein erinnert an Friedrich (1824-1892) und Regine geb. Wiese (1832-1900). Die Angaben für Luise (1837-1921) stehen im Kreuz und die für ihren vorverstorbenen Ehemann Fritz (1830-1887) im Sockel eines Steines aus Marmor. Auf der Sockelrückseite befindet sich eine neunzeilige Inschrift, die kaum lesbar ist. Emma (1874-1927) erhielt einen vergleichsweise schlichten schwarzen Stein, der nur 125 cm hoch ist.

Eine schwarze Steinplatte an einem "Baumpfosten" befestigt, erinnert an Ferdinand Kraatz(33) (1850-1897) und Auguste geb. Knopf (1858-1897) und deren Söhne Fritz (1892-1896) und Hans (1885-1902).

Eine helle Steintafel aus Marmor an einem "Baumpfosten", deren Inschrift kaum noch zu lesen ist, wurde für Wilhelm Maschkewitz(34) (1848-1921) errichtet.

Vier Grabsteine sind noch von der Familie Busse(35-41) vorhanden. Ein hoher schwarzer Stein wurde für Friedrich Karl (1821-1891) und seiner Frau Charlotte Marie geb. Schmidt (1841-1889) errichtet. Das Kreuz des Grabsteins für Hermann (1871-1893) besteht aus Marmor und an der Rückseite wurde ein kleiner (halber) Kelch mit einer Sonne oder Sonnenblume befestigt. Eine Sonne symbolisiert das Leben. Der Sockel besteht aus Sandstein und ist entsprechend verwittert und trägt auf der Rückseite einen (Lorbeer?)Kranz. Vom Grabstein für Martha Elise Aug. (1878-1897) fehlt vermutlich ein Oberteil (z.B. ein Kreuz oder eine Figur), denn der Sockel wirkt zu gedrungen und die Oberseite ist nicht poliert. über drei Meter hoch, aus schwarzem schlesischen Granit bestehend, ist der Stein für Ferdinand (1834-1910) und Emilie geb. Müller (1848-1915), der unter Bäumen fast verborgen unmittelbar rechts vom Eingang zum Kirchhof steht.

In der fast südwestlichen Ecke des Kirchhofs befinden sich Grabsteine der Familie Koppe(n)(37-43). Hohe schwarze Steine aus Granit wurden für Karl (1842-1920) und Pauline geb. Dürre (1852-1933), Marie Lehne geb. Koppe (1875-1955) und Otto Koppe (1974-1958), Wilhelm (1940-1900) sowie Emilie geb. Grunow (1849-1905) errichtet. Der kleine helle Stein aus Elbsandstein, dessen Oberteil teilweise zerstört ist, trug vermutlich früher ein Kreuz. Die Inschriften sind erheblich verwittert und daher nicht vollständig lesbar. Der Stein wurde für die Kinder und Geschwister Georg Wilhelm Hermann (1876-1878) und Wilhelm Hermann Theodor (1879-1882) errichtet.