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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Bericht über die Einweihung der Dorfkirche

Betreff:Einweihung der Evangelischen Kirche Berlin - Lichtenrade,
Dorfstraße am Dorfteich (Autostraße Nr. 96 nach Dresden),
Sonntag, 3. April 1949, vormittags etwa 3/4 10 Uhr: Schlüsselübergabe.
(Gesamtfeier 1/2 10 Uhr - 12 Uhr)

Es ist eine alte Feldsteinkirche, die aus dem Mittelalter stammt. Das Baujahr ist nicht bekannt, etwa um 1300 herum. Die alten Fenster waren im Spitzbogenstil gebaut. Natürlich ist im Laufe der Jahrhunderte an der Kirche manches geändert worden, z. B. wurden vor längerer Zeit (Jahreszahl ist unsicher) größere Fenster und Türen eingebaut. Die alten, kleinen Fenster- und Türöffnungen sind noch gut zu erkennen. Der alte Turm wurde im Jahre 1810 abgetragen, da baufällig, der neue Turm wurde 1902 erbaut. 1922 und 1935 fanden große Erneuerungen der Kirche statt.

Die Höhe des Turmes mit Kreuz: 27,60m
Die Kirche ist 10 x 26m groß, die Mauern sind teilweise über 1m stark.
Höhe innen: 6,35m
Die Kirche fast etwa 300 - 400 Personen.

Die Kirche wurde am 29.12.1943 bei einem Fliegerangriff zerstört. Sie brannte völlig aus, es standen nur noch die nackten Mauern, und auch diese waren z. T. beschädigt. Am 9.5.1948 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Die Kirche wurde fast ganz in der ursprünglichen Form wiederhergestellt, wie sie auch vor Jahrhunderten gewesen ist. Innen ist eine sichtbare Balkendecke nach alter Art, es ist eine Orgelempore mit schweren Balken aufgestellt. Die Innenausstattung ist noch nicht beendet, es ist auch vorläufig nur behelfsmäßiges Gestühl vorhanden. Das richtige Gestühl ist noch in Arbeit. Die Einweihung kann aber nicht länger hinausgeschoben werden, weil die Gemeinde bei dem sehr regen Kirchenbesuch dringend die Kirche braucht. Wir hielten Gottesdienste in behelfsmäßigen Räumen, die viel zu klein sind.

So sah unsere Dorfkirche nach dem Wiederaufbau aus:
Im Altarbereich liegt ein Teppich, die behelfsmäßige Kanzel aus Holz. Links vor dem Altar steht der barocke Taufengel. An den Bänken erkennt man noch die herausziehbaren Notsitze. Diese mussten entfernt werden, als die Bänke 1962 wegen des Einbaus der Heizkörper um etwa 10 cm zum Gang hin verschoben wurden. Die Ausschnitte und die alten Bankbefestigungen sind aber noch heute deutlich erkennbar.

Auch die Kanzel ist vorläufig nur behelfsmäßig, die alte Barockkanzel ist verbrannt. Der alte Altar ist gerettet und steht wieder an der alten Stelle. Er ist jedoch ganz schmucklos und wird völlig mit den Altardecken verkleidet. Über dem Altar ist ein großes Holzkreuz, wie es auch bis zum Brande gewesen ist. Der alte Taufstein (Barock-Engel) ist gerettet und steht in der alten Kirche. Ebenso sind die Altargeräte (Kelche usw.) gerettet. Sie kommen wieder in die alte Kirche hinein. Zwei Glocken waren im Krieg abgeliefert worden. eine alte, aus dem Mittelalter stammende Glocke ist beim Kirchenbrand umgekommen. Wir haben aber schon wieder zwei Glocken beschaffen können, welche schon seit einigen Monaten geläutet werden. Eine Orgel ist noch nicht vorhanden. Zur Einweihung spielt der Posaunenchor Mariendorf.

Den Bau hat die Gemeinde fast ganz aus eigenen Mitteln durchgeführt nach Vorbereitungen, die sofort nach dem Zusammenbruch einsetzten. Durch die Währungsreform sind wir stark beeinträchtigt worden. Die Gemeinde hat große Sammlungen veranstaltet. Wir haben ein Darlehen bekommen, müssen aber noch weiter sammeln, um die noch notwendigen Ergänzungen am Bau durchführen zu können.

Auf dem Wege zur wieder aufgebauten Dorfkirche:
Bahnhofstraße Ecke Roonstr. (heute Mellener Str.). An der Spitze die Herren Pfarrer, der Gemeindekirchenrat und Schwestern des Diakonissenhauses Salem.

Die Einweihung hält Generalsuperintendent JAC0BI, DD. (notabene: dieses doppelte DD ist das Zeichen der englischen theologischen Doktorwürde, die dem jetzigen Generalsuperintendenten Jacobi während des Kirchenkampfes für seine mannhafte Haltung auf Seiten der bekennenden Kirche verliehen wurde: Doctor of Divinity). Genaues Programm anbei. An unserer Kirchengemeinde amtieren 3 Pfarrer. Der Superintendent und einige andere Pfarrer, sowie einige Ehrengäste nehmen auch an der Feier teil. Die Feiern beginnen damit, dass wir von der alten gottesdienstlichen Stätte, dem Konfirmandenzimmer im neuen Pfarrhaus, (damit ist das Gemeindehaus Goltzstr. 33 gemeint - R.O.) mit einer kurzen Feier Abschied nehmen und dann im Festzuge zur Kirche ziehen. Dabei tragen die Pfarrer und einige Kirchenälteste die Bibel und die kirchlichen Geräte.

Auf dem Wege zur wieder aufgebauten Dorfkirche: Noch in der Roonstr. (heute Mellener Str.) folgt die Junge Gemeinde. Hinten die Ecke Goltzstr. / Roonstr. (Mellener Str.). Das Eckhaus im Hintergrund ist durch einen Neubau ersetzt worden.

An der Kirche erfolgt die Schlüsselübergabe. Der leitende Architekt, Baurat Breest, übergibt dem Generalsuperintendenten den Schlüssel der Kirche. Derselbe gibt ihn an Pfarrer Schmidt weiter, der z. Zt. geschäftsführender Pfarrer ist und den Vorsitz im Gemeindekirchenrat hat und mit den Hauptanteil an der Bauleitung gehabt hat. Pfarrer Schmidt muss dann die Kirche aufschließen, worauf sich der Zug in die Kirche begibt. Es folgt dann der feierliche Einweihungsgottesdienst. Die Festpredigt wird der Generalsuperintendent halten. Nachher wird in einer alten Nische eine Erinnerungsurkunde eingemauert.