Monatsspruch April

Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete?

Liebe Gemeinde, 

wenn sie diesen Gemeindebrief lesen, ist vermutlich Ostern schon recht nah. Doch mehr als die Hälfte dieses Monats ist noch Passionszeit, Zeit, das Leiden Christi bis zu seinem Tod am Kreuz zu bedenken. Der Monatsspruch für diesen April aber stammt aus einer der schönsten und anschaulichsten Ostergeschichten:

Der Evangelist Lukas erzählt uns, wie zwei Jünger von Jerusalem nach Emmaus laufen, besser gesagt: traurig dahintrotten. Als ein Dritter dazu kommt, fragt der nach dem Grund ihrer Trauer und sie müssen ihm erzählen, was in Jerusalem mit Jesus geschehen ist – er wurde gekreuzigt. Den Berichten von der Auferstehung jedoch können sie nicht glauben, sagen sie. Dass dieser Dritte, der plötzlich mit ihnen lief, Jesus, der Auferstandene, war, erkennen sie erst sehr viel später – am Abend in Emmaus, im Haus, am Tisch, beim Brotbrechen. Dann ist Jesus auch schon wieder verschwunden und sie erinnern sich plötzlich an ihre Wahrnehmung unterwegs: „Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete?“, fragen sie einander.

Mit dieser Frage wundern sie sich, dass sie nicht schon eher erkannt hatten, dass es der auferstandene Jesus war, der mit Ihnen lief, denn ihr „Herz brannte“ doch, als Jesus ihnen unterwegs alttestamentliche Bibelworte verständlich erklärte. Dieses „brennende Herz“ meint allerdings etwas anderes als wir vielleicht heute mit diesem Begriff assoziieren. Wenn wir heutzutage von einem brennenden Herzen reden oder hören, denken wir an Begeisterung und Liebe. Zur Zeit Jesu aber galt das Herz nicht als Ort des Gefühls, sondern als Ort des Verstandes. Das gibt dieser Frage der beiden Jünger noch einmal eine andere Bedeutung. Es geht nicht um eine Begeisterung für die biblischen Schriften, die der auferstandene Jesus in ihnen geweckt hätte, wie wir vielleicht vermuten, sondern sie sagen mit dem Begriff der „brennenden Herzen“: Jesus hat ihnen die Schriften so erklärt, dass sie sie verstehen konnten, begreifen, mit dem Verstand fassen. Er hat sie erleuchtet, nicht im Sinne nur von Freude oder Begeisterung, sondern im Sinne von einem hellen klaren Verstand, den der auferstandene Jesus beim Erklären der alten Bibelworte in Ihnen geweckt hat.

Und so möchte es Jesus auch für uns, davon bin ich überzeugt. Wenn wir den Weg Jesu ans Kreuz in der Passionszeit nachvollziehen wollen, diese himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass der, der so vielen Menschen gutes getan hatte, sterben muss wie ein Schwerverbrecher, und wenn wir auch das Wunder der Auferstehung Jesu begreifen wollen, dann geht es um mehr als nur um eine Begeisterung für diese Botschaft. Es geht nicht um Schwärmerei, Frohsinn oder Leidenschaft. Jesus möchte uns mit dem Wunder der Auferstehung nicht einfach bezaubern, sondern er möchte, dass unser Verstand begreift, dass Gott stärker ist als der Tod, weil Jesus Christus auferstanden ist, ja wahrhaftig auferstanden ist.

So wünsche ich Ihnen ein Osterfest, an dem auch Ihr Herz beginnt zu brennen, wenn Sie die Botschaft der Auferstehung Jesu hören! Dass Ihr Herz brennt, nicht weil eine unbestimmte Freude Sie erfasst, sondern weil Sie begreifen und verstehen, welches Wunder da geschehen ist und was das für Ihr Leben und unser aller Leben bedeutet: Gott ist stärker als alles! Sogar den Tod hat er besiegt, weil Jesus auferstanden ist! So möge das Osterlicht in uns und durch uns in der Welt leuchten.

Ihre Pfn. Dagmar Heine