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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch April

Monatsspruch

Liebe Gemeinde,

malen kann ich nicht. Das habe ich nicht gelernt. Ich war froh, als ich Kunst nach der 10. Klasse abwählen konnte. Vermisst habe ich diesen Unterricht nicht. Was ich zu Hause in meiner Freizeit gerne gemacht habe, war nachbasteln: mit Vorlagen aus einem Buch, Fensterbilder basteln oder Sterne falten. Daran hatte ich große Freude, das habe ich mit Geduld und Sorgfalt gemacht. Und andere haben sich über diese Geschenke gefreut.

„Ein Bild ist ein mit künstlerischen Mitteln auf einer Fläche Dargestelltes, Wiedergegebenes; Gemälde, Zeichnung o. Ä.“ – so lautet das erste Ergebnis meiner Google-Suche auf die Frage: „Was ist ein Bild?“

Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes – so beginnt der Monatsspruch für April – Worte, die in meinen Ohren erstmal so langweilig klingen wie eine Stunde Kunst in der Schule für mich war.

Christus ist das Bild von Gott, er gibt etwas von Gott wieder, stellt etwas von Gott dar. Moment: wir sollen uns doch gar kein Bild von Gott machen, steht in den zehn Geboten. Denn der große Gott ist viel größer als das, was wir in einem Bild festhalten können. Gott lässt sich nicht in einem Bild bannen.

Allerdings: wir Menschen kommen ohne Bilder nicht aus. Um uns herum, vor unserer Nase sind ständig Bilder. Zeitungen sind illustriert und Werbung macht uns in Bildern schmackhaft, was wir kaufen sollen. Was wäre diese Welt ohne Bilder?

Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes. Durch Christus bekommen wir eine Vorstellung, eine Idee davon: wer ist dieser Gott? Christus, der von Gott erzählt hat, der ihn seinen Vater nennt, also in ganz enger Verbindung zu Gott steht.

Er ist der Erstgeborene der Schöpfung. Von Anbeginn an kennt er also Gott. War bei ihm. Er kann ihn abbilden. Er weiß um seinen Willen. Mensch geworden auf Erden erzählt er davon. In Gottes Namen vollbringt er Wunder, macht Kranke gesund. Und bringt mit seinen Erzählungen und Taten auch Menschen gegen sich auf. Was dieser Jesus sagt, war anders. Menschen sind fasziniert von ihm. Andere sagen: das ist Gotteslästerung. Und so stirbt Jesus schließlich am Kreuz. Die Menschen haben ihr Urteil über Jesus gesprochen. Doch dann handelt Gott. Besiegt den Tod. Lässt seinen Sohn nicht im Tod. Ruft ihn ins ewige Leben. Am Beginn von allem hat Gott durch sein Wort alles erschaffen. Was er an Ostern tut, ist ebensolches wirkmächtiges Handeln. Die Grenze des Todes – von Gott überwunden.

Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes. Mitten in unserer Welt zeigt sich Gott in Christus. Gott zeigt sich als einer, der uns Menschen nahe ist. Er ist nicht fern, er ist mitten unter uns. Auch heute.

Wie nehmen Sie Gott gerade wahr? Unsichtbar, nicht greifbar, weit weg? Oder ganz nah, an ihrer Seite, Trost spendend, Hoffnung gebend, Mut machend? Und wie erleben Sie dieses Osterfest?

Ostern: mitten in der Trauer eine unerwartete Botschaft – sie wischt die Trauer nicht weg. Sie macht nichts ungeschehen. Das Alte kommt so nicht mehr zurück. Und doch: das Leben siegt! Es geht weiter. Ostern – das macht Mut!

Manchmal wünschte ich, ich könnte malen: ein Hoffnungsbild. Ein Mutmachbild. Vielleicht mache ich Ostern einen Spaziergang. Und suche Hoffnungsspuren. Wo Leben sich Bahn bricht. Und mache Fotos davon.

Ihre Pfn. Juliane Göwecke