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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch Juli

Monatsspruch

Liebe Gemeinde, 
Anna setzt sich erschöpft auf einen Baumstamm. „Ich geh keinen Schritt weiter!“ weint das achtjährige Mädchen. Mit ihren Eltern hat sie heute eine Wanderung unternommen. Im Wald war es schön schattig. Zwischendurch gab es tolle Aussichten auf die anderen Berge und Täler. Jetzt soll es wieder ein Stück bergauf gehen. Aber Anna mag nicht mehr. Genug für heute. Ihre Mutter nimmt den Rucksack vom Rücken. Sie holt die Wasserflasche heraus und ein Käsebrötchen. Sie drückt Anna beides in die Hand. „Komm, stärk dich erstmal. Dann hast du wieder neue Kraft. Der Weg ist noch weit. Aber das schaffst du locker!“

Beine, die müde werden. Kraft, die schwindet. Ein weiter Weg zu bewältigen. Wie gut eine Stärkung tut. Wie wichtig die Aufmunterung von anderen ist. Diese Erfahrung teilen viele.

Elia ist mit seinen Kräften völlig am Ende. Er will nicht mehr. Er will sogar sterben. Der Gottesmann hat sich mit allen Kräften für seinen Gott eingesetzt. Er ist in den Konflikt mit den Baalspriestern gegangen, um das Volk von seinem Gott zu überzeugen. Das gelingt ihm. Doch weil er die Baalspriester umbringt, will ihm nun die Königin ans Leben. Elia flüchtet sich in die Wüste. Er setzt sich unter einen Ginster. Er will nicht mehr. Er will sterben. Genug geeifert. Es reicht.

Doch Gott lässt ihn nicht im Stich. Er schickt ihm einen Engel. Ein erstes Mal weckt der Engel ihn, fordert ihn auf zu essen. Danach schläft Elia wieder. Schlaf, der ihm Erholung schenkt. Und dann die Worte, die über diesem Monat Juli stehen: „Und der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ Elia steht auf. Er isst, er trinkt. Das gibt ihm Kraft, 40 Tage und Nächte zu gehen. Zum Berg Horeb. Wo ihm Gott selbst begegnen wird. Ganz anders als er es erwartet. In einem leisen Säuseln. Er benennt Gott seine Verzweiflung. Und wird von Gott – versehen mit neuen Aufträgen – weitergeschickt.

Elia: verzweifelt, am Ende seiner Kräfte, allein. Es scheint nicht mehr weiterzugehen. Was ihn wieder in Bewegung setzt: der Zuspruch eines anderen, Schlaf und die Stärkung durch Essen und Trinken. Das ändert nichts am Ausgangspunkt der Verzweiflung: in der Begegnung mit Gott formuliert Elia sie erneut. Aber die Begegnung mit dem Boten Gottes gibt ihm Kraft, einen langen Weg durch die Wüste zu gehen.

In welcher Situation werden Sie diese Worte lesen, wenn Sie diesen Gemeindebrief gedruckt in den Händen halten? Es ist in diesen Zeiten schwer abzuschätzen, was in zwei oder vier Wochen gelten wird. Corona dominiert und bestimmt jedenfalls schon eine lange Zeit unseren Alltag. Manchem wird die Zeit lang. Andere sind mit ihrer Geduld am Ende. Wieviel Zeit liegt noch vor uns? Manche hoffen, dass der Spuk bald ein Ende hat. Andere sagen, ein Jahr noch. Andere gehen von zwei Jahren aus. Da liegt noch ein Weg vor uns. Wie weit er ist, wie lange er noch dauert, ist schwer zu sagen.

Was gibt Stärkung auf diesem Weg? Woraus gewinnen wir Kraft? Vielleicht daraus, nicht alleine zu gehen. Sondern mit anderen unterwegs zu sein, die einem ein gutes, aufmunterndes Wort sagen.

Stärkung durch Gemeinschaft auch in unserer Gemeinde. Miteinander unterwegs zu sein in diesen ungewöhnlichen Zeiten. Gemeinsam zu beten. In den Gottesdiensten oder zu Hause, analog oder digital verbunden.

Und auch wenn das Abendmahl zur Stärkung gerade fehlt: wir sind dennoch miteinander verbunden: als Geschwister untereinander und mit Jesus Christus. Daran können wir uns erinnern. Diese Erinnerung stärkt.

Stärkung gewinne ich gerade auch aus dieser Beziehung. Ich vertraue darauf, dass der dreieinige Gott uns durch diese Zeiten führt. Dass er uns im Schweren und in der Verzweiflung nicht allein lässt. Dass er uns stärkt und neue Kraft schenkt. Und dass er uns dabei zu verantwortlich Handelnden macht, er uns Aufträge gibt, in dieser Welt zu handeln.

Ihre Pfn. Juliane Göwecke