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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch März

Corona - Pandemie

Bis auf weiteres fallen in unserer Gemeinde alle Gottesdienste, Andachten und alle Veranstaltungen aus.
Das Kinder– und Jugendhaus bleibt geschlossen. Unsere Ausgabestelle LAIB UND SEELE ist ab dem 7. Mai eingeschränkt geöffnet. Die Kitas sind nur für Gewährleistung der gesetzlichen Notbetreuung geöffnet.

Unsere Küsterei bleibt zwar besetzt, von einem persönlichen Besuch bitten wir aber abzusehen! Die Küsterei ist erreichbar unter Tel.: 746 88 94 0
oder kuesterei@kg-lira.de

Monatsspruch

Liebe Leserin, lieber Leser,

Samstag Mittag bin ich unterwegs im Berliner Zentrum. Die Menschen schieben sich durch die Straßen, es ist voll. Jetzt wird es durch eine Baustelle noch enger. Ich halte meine Handtasche eng vor mir und achte auf meine Geldbörse. Hier haben Taschendiebe leichtes Spiel. Ich bin lieber wachsam. Meine Gedanken kann ich nachher zu Hause wieder schweifen lassen.

Wachsam sein, das müssen wir immer wieder. Damit bei der Arbeit kein Fehler passiert. Aufmerksam sein, damit man nicht aus Versehen eine Mail öffnet, die mit einem Virus den Computer lahmlegt. Bekomme ich das Wechselgeld richtig raus? Will mir jemand etwas unterjubeln?

Ach, ich will nicht immer wachsam sein. Ich will den Tag genießen, will träumen, den schönen Sonnenschein genießen und was so um mich herum ist. Wachsam sein, das strengt mich an. Und ich will, wenn ich abends müde vom Tag bin, mich nicht wachhalten müssen. Ich will mich einfach ins Bett fallen lassen und schlafen, um den nächsten Tag ausgeruht beginnen zu können.

Und nun steht über diesem Monat die Aufforderung Jesu: „Wachet!“ Und nein, dieses Wort stammt nicht aus der Passionsgeschichte, wo Jesus im Garten Gethsemane vor seiner Gefangennahme und Kreuzigung zu Gott betet, während seine Jünger einschlafen. Jesus sagt diese Worte als Abschluss seiner Endzeitrede im Markusevangelium. Und erzählt vorher als Gleichnis von einem Hausherrn, der übers Land zieht, die Knechte vorher zur Arbeit anhält und dem Türhüter gebietet zu wachen. „So wacht nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen, damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt.“

Das Gleichnis leuchtet ein: kaum einer möchte von seinem Chef dabei erwischt werden, dass er seine Arbeit nicht tut. Der Evangelist Markus lebte noch in der Erwartung, dass die Endzeit, das Wiederkommen Jesu kurz bevorstehe. Jesus mahnt deshalb zur Wachsamkeit.

Für uns ist die Endzeit in die Ferne gerückt. Sie bestimmt nicht unser tägliches Denken. Und doch: auch uns gilt der Ruf Jesu: „Wachet.“ Wachet, damit ihr Jesus begegnen könnt. Seid aufmerksam in eurem Glauben. Geht mit einem aufmerksamen Blick durch die Welt. Nehmt wahr, was die Menschen um euch bewegt. Lasst euch anrühren von ihrer Not. Und sucht nach den vielen Spuren Gottes, die er in der Welt und in eurem Leben hinterlässt. Sie merken, das ist eine andere Wachsamkeit als das anfangs beschriebene „Auf-der-Hut-sein“.

Die Passionszeit als Fastenzeit kann eine Zeit sein, in der Sie diese Aufmerksamkeit schärfen. Fasten ist gerade hoch im Kurs. Doch beim Fasten in der Passionszeit geht es nicht um den reinen Selbstzweck, um Selbstoptimierung oder Selbstheilung. Es geht darum, durch den Verzicht auf gewohnte Lebensweisen den Blick frei zu bekommen für das Verhältnis zu Gott. Raum zu gewinnen, dass sein Wort für uns wieder hörbar wird, wir uns an ihm ausrichten. In diesem Sinne wird die Passionszeit zu einer Zeit der erhöhten Aufmerksamkeit und Wachsamkeit.

Mich spricht das diesjährige Motto der Aktion „Sieben Wochen ohne“ an. „Zuversicht – sieben Wochen ohne Pessimismus.“ Positiv denken. Sich nicht von Ängsten und Sorgen einengen lassen, die Bedenken nicht übergroß werden lassen, mit Freude in die Zukunft schauen und diese gestalten. Denn Angst lähmt, hindert daran, den nächsten Schritt zu gehen. Mit Zuversicht lassen sich auch Krisen bestehen, neue Wege entdecken. Das bedeutet nicht, leichtfertig über Schwierigkeiten hinwegzusehen. Das bedeutet nicht, Probleme kleinzureden. Das bedeutet nicht, Nöten aus dem Weg zu gehen.

Es bedeutet vielmehr, in allem das Prinzip Hoffnung walten zu lassen. Es bedeutet, mit der Kraft aus Gottes Liebe notwendige Veränderungen anzugehen.

Lothar Zenetti hat folgendes Gedicht geschrieben:

Menschen, die aus der Hoffnung leben, sehen weiter!

Menschen, die aus der Liebe leben, sehen tiefer!

Menschen, die aus dem Glauben leben, sehen alles in einem anderen Licht!"

Ihre Pfn. Juliane Göwecke