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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch Dezember

Monatsspruch

Liebe Gemeinde,

im November und auch am Anfang des Dezembers wird es jeden Tag ein Stückchen dunkler. Erst kurz vor Weihnachten, nach der Wintersonnenwende steigt die Sonne wieder. Für viele ist das bis dahin die schwierigste Zeit des Jahres. Weil sich in der Regel zu der Dunkelheit auch noch die Kälte und die Feuchtigkeit hinzugesellen. Da scheint dann nicht nur nicht die Sonne, sondern auch die Seele ist in Dunkelheit getaucht. Wohl dem, der wenigstens ein Dach über dem Kopf hat, die Heizung anwerfen kann. Wohl dem, der Menschen um sich hat, die es gut mit einem meinen, Menschen, die Zuneigung und Wärme ausstrahlen.

Und was ist mit dem, der das alles nicht hat? Was ist mit denen, die im Dunkel zu versinken drohen? Was kann er, was kann sie noch erwarten, wenn alle Zeichen des Lebens auf Kälte und Dunkelheit weisen, wie die gesellschaftlichen Pessimisten es jeden Tag laut in die Welt rufen. Wenn sich der Blick nur sehnsüchtig nach hinten wendet, hin zu den alten vermeintlich guten Zeiten und das zukünftige Leben ohne Verheißung ist.

Für diejenigen hat Jesaja einen Mut machenden Appell, nachdem er eine düstere Diagnose über sein Volk Israel gestellt hatte, das aus vielen schlechten Gründen seine Autonomie, sein Land, seine Nähe zu Gott und damit seine Hoffnung für die Zukunft verloren hatte. Nüchtern betrachtet nur noch Dunkel – kein Lichtstreif am Horizont. Doch dann dieses Wort, dieser Appell: Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.

In diesem Dezember hören nun wir Jesaja: Er erinnert uns daran, dass wir Menschen von Gott nicht gemacht sind, um im Dunkel zu leben. Er erinnert uns daran, dass wir gerade im dunklen Dezember in einer Zeit der Verheißung und Erwartung leben. Gerade denen, die ohne Erwartung für die Zukunft sind, weil alles Schöne des Lebens an ihnen vorbeizugehen scheint, schreibt Jesaja seinen Satz des grundlosen Vertrauens ins Herz und in die Seele.

Grundlos und ohne Erwartung, sich auf Gott und seine Verheißung einlassen, jeden Tag ein Stückchen mehr, dazu sind wir eingeladen. Von Gott, der uns Vater und Mutter ist. Von Gott, der uns mit seinem ewigen Bund nach der Sintflut verheißen hat, dass wir um seines Namens Willen nicht mehr untergehen sollen. Von Gott, dem Vater Jesu, dessen Geburt und Menschwerdung wir auch in diesem Jahr zu Weihnachten wieder feiern werden.

Bis dahin hat uns Johann Hinrich Wichern mit seiner Erfindung des Adventskranzes ein schönes Stück sichtbarer Verheißung hinterlassen. Mit seinem 1839 erstmals aufgestellten Kranz, damals noch mit 20 kleinen und den vier großen Kerzen, hat er den eltern- und haltlosen Kindern und Jugendlichen im Rauhen Haus bei Hamburg die noch verbleibende Zeit bis zum sehnlichst erwarteten Weihnachtsfest sichtbar erhellt. Gerade für die, die so wenig Grund hatten, Hoffnung für die Zukunft zu haben, sollte so der Grund aller Hoffnung und die Zeit bis zu Erfüllung der großen Erwartung zu Weihnachten erfüllt und sichtbar gemacht werden.

Die Idee, gegen alle Hoffnungslosigkeit und gegen alles Dunkel im Leben jeden Tag ein Licht mehr anzuzünden, ist im Sinne des Wortes einleuchtend geworden. Vielleicht hat sich deshalb auch der Adventskranz letztlich so weit in der Welt verbreitet. Mit ihm bekommt die Zeit der Dunkelheit eine Perspektive und ein Ziel.

Wenn dann eben doch ein Licht auf dem Kranz leuchtet, bald zwei, dann drei und zuletzt vier, dann wird sichtbar, dass der Appell des Jesaja für uns Christenmenschen einen guten Grund hat.

Wer sich auf Gott verlässt, wird nicht im Dunkel stehen, sondern das kleine, aber so wirkmächtige Licht aus der Krippe sehen, von dem Jesaja ein paar Verse später sagt: (Jesaja 51,4) „Merkt auf mich, ihr Völker und ihr Menschen, hört mir zu. Denn Weisung wird von mir ausgehen und mein Recht will ich gar bald zum Licht der Völker machen.“

So möge es sein - auch in diesem Jahr.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen allen

Pfr. Roland  Wieloch