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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch Oktober

Monatsspruch

Liebe Gemeinde, 
am 3. November wählen alle Gemeinden unserer Landeskirche neue Gemeindekirchenräte. Auch bei uns wird gewählt. In dieser Ausgabe des Gemeindebriefes stellen sich die Kandidaten und Kandidatinnen vor. Es sind Menschen, die sich engagieren wollen, Menschen, die ihre unterschiedlichen Talente, Fähigkeiten, Begabungen und Kräfte, die ihnen zur Verfügung stehen, zum Wohl der Gemeinde einbringen wollen. Ihre Bereitschaft in den kommenden sechs Jahren gemeinsam mit den Pfarrerinnen und Pfarrern, die Gemeinde zu leiten erfüllt uns mit Dankbarkeit.

Nun muss man aber nicht gleich ein leitendes Amt besetzen, um sich zu engagieren. Es reicht auch schon, wenn jeder sich folgende Fragen stellt: Nutzt Du deine Talente? Setzt Du sie auch zum Wohle anderer ein? Oder hast Du das alles vergraben, aus Angst es zu nutzen? Sagst Du vielleicht wie anfangs der Prophet Jeremia: Ich kann nicht, ich will nicht, sollen doch andere machen?

Ich denke, daß es schön wäre, wenn jeder einzelne von uns eine Art innere Pflicht verspüren würde, seine Talente, Begabungen, Fähigkeiten und Kräfte einzusetzen.

Wir stehen doch in der Schuld so vieler Menschen! Generationen haben gearbeitet, und wir ernten die Kenntnisse davon. Wir ernten ungeheure Wohltaten. Wir leben von Leben, das lange Zeit vor uns mühsam aufgebaut wurde. Wie viele Menschen haben beispielsweise unter großen Anstrengungen hervorragende Kunst hervorgebracht, die wir heute genießen? Oder wie viele Menschen  haben ihr Leben gelassen für diese Demokratie, in der wir heute leben dürfen? Für die wir dankbar sind. Oder denken wir nur an die mutigen Demonstrationszüge - damals in der DDR. Die Mauer, die Deutschland teilte und sich auch durch unzählige Seelen zog, fiel! Friedlich!

„Was ihr nicht gebt im Gehorsam gegenüber Christus, das fordert euch die Zeit mit Wucherzins ab“, sagte Martin Luther. Es gibt Menschen, die vermehren ihre Talente, Fähigkeiten und Begabungen, setzen sie ein für andere, arbeiten mit dem ihnen von Gott Anvertrauten, auch hier in der Gemeinde. Nur durch solch ein ehrenamtliches Engagement können Kirchengemeinden überhaupt lebendig sein. Ich kann mir keine Gemeinde ohne Ehrenamtliche vorstellen. 

Andere wiederum vergraben alles, sagen, was kann ich kleines Licht denn schon tun?

Eine Antwort darauf gibt die Botschaft der Reformation, die wir in diesem Monat feiern: Jeder Mensch ist weit mehr, als er selbst von sich denkt. Keiner läßt sich auf das reduzieren, was gelungen oder misslungen ist. Gott hat jedem Menschen den aufrechten Gang geschenkt. Wir dürfen die innere Unfreiheit und die bösen Worte, die uns einmal getroffen haben und die wir wie Lasten mit uns schleppen, abtun.  Gott hat jedem Menschen Würde verliehen. Niemand braucht sich und seine Talente zu verstecken! Wir müssen keine Propheten sein, um das zu erkennen. Wir bekommen auch keine überschweren Lasten von Gott auferlegt.

Es reicht doch die Frage: Was mutet mir Gott zu in bestimmten Situationen? Für andere, für unsere Demokratie, für die Gemeinde, für die Kirche, für den Nachbarn. Jeder einzelne sollte solche Fragen für sich alleine beantworten. Fragen, die sicher auch beunruhigend sind, aber der Glaube soll uns ja auch nicht in Ruhe lassen. Er ist kein Polsterstuhl, in dem wir gemächlich die Zukunft abwarten. Sondern er ist eine Kraft Gottes, die die Propheten in die Zukunft gehen ließ, eine Kraft, die auch seit damals nicht erloschen ist. Eine Kraft, die ewig lebt und uns auch heute noch bewegt.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Oktober.

Ihr Pfr. Veit Hoffmann