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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch Mai

Monatsspruch

Liebe Gemeinde,

sicher kennen Sie das gute Gefühl, wenn man am Abend sagen kann, dass man einiges geschafft hat. Erledigt! Zum Glück! Dann kann ich mich zurücklehnen und den Abend genießen, den wohlverdienten Feierabend, wie wir so schön sagen. Ja, meist bin ich dann müde und kaputt, aber die Erschöpfung ist ein gutes Gefühl, versuche ich mir einzureden, weil ich ja aufzählen könnte, was ich alles erledigt habe. Super! Darauf kann ich stolz sein! Den Feierabend habe ich mir verdient!

So geht es vielfach und immer wieder in unserem Leben: Solange wir irgendwie bei Kräften sind, suchen wir nach Dingen, die wir tun können, um hinterher sagen zu können: „Gut gemacht!“

Noch schöner ist es, wenn uns dies ein anderer sagt: „Das hast du gut gemacht!“

Wir brauchen diese Bestätigung und versuchen so unser Leben zu meistern, indem wir unsere Kräfte und Fähigkeiten nutzen und einsetzen.

Auch der König David, der hier im 2. Samuelbuch spricht, hat schon viel geleistet und für sein Land und sein Volk viel getan. Er ist König über ganz Israel und hat Jerusalem erobert, die Philister besiegt und die Bundeslade nach Jerusalem gebracht, um nur einige seiner Verdienste zu nennen. David aber sieht nicht zuerst seine Verdienste, sondern er sieht Gott in allem am Werk und steht plötzlich da wie ein staunendes Kind: „Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.“ Schließlich hätte er ja auch sagen können: „Das hab‘ ich mir verdient!“ Und viele hätten dem wahrscheinlich sogar zugestimmt. Aber nein, trotz all seiner Bemühungen, trotz all seines Einsatzes schreibt David das Glück nicht seinem eigenen Verdienst zu, dass nun sein Nachfolger den Tempel endlich wird bauen dürfen. David erkennt, dass hier Gott in allem am Werk war und ist, und er kann nur staunen.

Der mächtige König David staunt. Er staunt über Gottes große Zusagen.

Doch irgendwie kann ich mir das nur schwer vorstellen. ‚Staunen ist doch was für Kinder‘, denke ich und sehe sie vor mir: Kinder mit großen staunenden Augen. Ja, Kinder können noch staunen. Wir Erwachsenen haben uns das eher abgewöhnt. Worüber auch staunen? Alles muss hart erarbeitet werden. Nichts gibt’s umsonst. Und hin und wieder gelingt auch etwas nicht, obwohl wir uns so sehr bemüht hatten.

Jedoch wenn ich in Ruhe darüber nachdenke: Es gibt in meinem Leben viele gute Dinge, die einfach passieren, ohne dass ich daran gearbeitet hätte. Und manch Schönes kann ich mir gar nicht erarbeiten, auch wenn ich mich noch so anstrengen würde. Sicher ist das auch in Ihrem Leben so. Überlegen Sie mal ganz in Ruhe!

Überall in unserem Leben – im ganz persönlichen – und auch im gemeinsamen in unserer Gemeinde, in unserer Stadt, in unserer Kirche, in unserem Land – überall können wir immer wieder auch erleben, wie Gutes geschieht oder Schlechtes sich plötzlich zum Guten wendet, ohne dass irgendein Mensch das mit seinen Kräften hätte bewirken können.

Schon an jedem Morgen könnten wir staunen, dass uns ein neuer Tag geschenkt wird. Und über den Tag gibt es viele Dinge, die uns einfach zufallen, die wir oft auch selbstverständlich hinnehmen, über die wir aber eigentlich staunen müssten.

Ich habe es probiert: am Abend dasitzen und erst einmal staunen über all das, was Gott mir geschenkt hat und was er mich hat erleben lassen und erst dann auch ein wenig stolz sein auf das, was ich mit meinen Kräften geschafft habe.

So habe ich das Staunen für mich neu entdeckt – und fühle mich viel seltener erschöpft. Nein, Staunen ist nicht nur was für Kinder!

Probieren Sie es mal und staunen Sie!

Und ich wünsche Ihnen einen überraschend schönen Monat Mai voller Momente zum Staunen

Ihre Pfn. Dagmar Heine