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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch April

Monatsspruch

Liebe Gemeinde, 
Am Ende des Matthäus-Evangeliums steht das große Versprechen des auferstandenen Jesus. Gottes Sohn mit uns – alle Tage bis an der Welt Ende.

Zum Ende des Evangeliums hat sich alles Leiden Jesu auf dem Weg zum Kreuz und alle fragende Klage Jesu am Kreuz aufgelöst: „Mein Gott, mein Gott wozu/warum hast du mich verlassen?“ So rief er in seiner höchsten Not am Kreuz. Als er stirbt, stirbt er allein, doch bebt die Erde und Unterstes wird zuoberst gekehrt. Dem römischen Hauptmann legt Matthäus angesichts dieses Ereignisses Worte des Bekennens in den Mund: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ Von den Jüngerinnen und Jüngern Jesu sind an dieser Stelle solche Worte nicht überliefert, – sie sind schlicht nicht da.

Viele Frauen aber haben von ferne Anteil genommen. Was folgt, ist so normal wie schmerzhaft: Jesus wird begraben. Hätte die Geschichte hier aufgehört, wäre die fragende Klage Jesu am Kreuz ohne Antwort geblieben. Drei Tage später jedoch erfahren zuerst die Frauen die Antwort des Engels: Das Grab ist leer – Jesus ist auferstanden von den Toten. Für die Jünger Jesu scheint trotzdem die Passionsgeschichte noch weiterzugehen: Mit Schweigegeld werden Falschaussagen befördert, Gerüchte machen in den Gassen Jerusalems die Runde.

Doch damit ist die Geschichte des Gottessohnes im Matthäus-Evangelium noch nicht zu Ende erzählt: Denn nun erscheint Jesus seinen Jüngern. Er hinterlässt ihnen ein Vermächtnis und den unbedingten Zuspruch seiner Gegenwart und Stärke, als gebe er nun selbst die Antwort auf seinen klagenden Ruf am Kreuz. „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Das Wort des auferstandenen Jesus schlägt den Bogen über die ganze Passion weit über Ostern hinaus; seit 2000 Jahren steht er über jeder und jedem, die/der sich mit der Taufe unter den Segen und den Zuspruch Gottes stellt. Es ist immer wieder gut, sich daran zu erinnern, dass das Beisein Gottes ein allzeitiges und allumfassendes ist. Gerade in den Zeiten des Lebens, in denen wir am Leben leiden. Gerade in den Zeiten, in denen wir mit dem Tod konfrontiert sind, in denen Sicherheit zerbricht, Selbstverständliches in Frage gestellt wird. Der Zuspruch Gottes steht selbst dann, wenn wir nicht wie der römische Hauptmann bekennen können. Gott hält zu uns, wenn wir uns von ihm entfernen, selbst ihn in Frage stellen, wie sein Jünger Thomas, oder wie sein Jünger Petrus, nicht einmal mehr im Entferntesten etwas von ihm wissen wollen, ihn gar verleugnen.

Für uns mögen das dann auch Passionszeiten des Lebens sein, die uns den Boden unter den Füßen beben lassen, so dass sich Unterstes zuoberst kehrt. Trauer, Enttäuschung oder Wut, die uns die Tränen in die Augen treibt, weil wir bis heute mit dem Falsch des Menschen leben müssen, mit bezahlter Lüge, mit Gerüchten, die einen einzelnen, wie ganze Gesellschaften beschädigen.

Und trotzdem kommt auch in diesem Jahr Ostern, feiern wir die Kraft und Stärke Gottes im Himmel und auf Erden, seine Gegenwart im Jetzt und Hier und in Ewigkeit, die uns nicht verloren gibt. Denn Jesus spricht:
„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Gott sei Dank!

So wünsche ich Ihnen eine bewusste Passionszeit und ein gesegnetes Osterfest

Ihr Pfr. Roland Wieloch