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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch März

Monatsspruch

Liebe Gemeinde, 
ein Satz Martin Luthers hat sich bei mir eingeprägt. „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ So schreibt er es in seinem Großen Katechismus.

„Woran du dein Herz hängst…“. Woran hängt mein Herz? Es gibt Dinge, die mir lieb und teuer sind. Deshalb sind es nicht gleich Götter. Aber mein Herz hängt an meiner Familie. Und an meinen Freundinnen, die mir seit langem vertraut sind. Auch an dem Kreuz, das ich zu meiner Konfirmation geschenkt bekommen habe. Mein Herz hängt am Frieden, der nun schon viele Jahre in unserem Land währt. „Woran du dein Herz hängst…“

Woran hängt Ihr Herz? Vielleicht haben Sie ja in etwas Ihr ganzes Herzblut gelegt, viel Zeit und Liebe zum Beispiel in Ihren Garten investiert. Sie haben es sich dort schön gemacht und verbringen dort gerne gesellige Stunden. Oder ein Thema ist Ihre Herzensangelegenheit – da kennen Sie sich aus, da können Sie nicht schweigen. Da lassen Sie sich die Butter nicht vom Brot nehmen. Vielleicht haben Sie jemandem Ihr Herz verschenkt. Oder Ihr Herz an jemanden verloren.

„Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ Martin Luther legt mit diesen Worten das erste Gebot aus: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“

Luther schreibt im Großen Katechismus: „Einen Gott haben bedeutet, etwas haben, an das ich mein Herz hänge und dem ich unbedingt vertraue.“ Gott ist für ihn der, „von dem man alles Gute erhoffen und zu dem man in allen Nöten seine Zuflucht nehmen soll.“ Glaube und Zuversicht soll sich auf den einen Gott richten.

Luther warnt davor, dass Geld und Gut zum Gott werden können. „Wer Geld und Gut hat, der weiß sich in Sicherheit, ist fröhlich und unerschrocken, als sitze er mitten im Paradies; und umgekehrt, wer keins hat, der zweifelt und verzagt, als wisse er von keinem Gott.“ Auch Wissen, Macht, Einfluss, Klugheit, Gewalt, Beliebtheit, Freundschaft und Ehre kann wie das Geld zu einem Abgott werden.

All diesen Dingen muss nun aber auch nicht aus dem Weg gegangen werden, der Rücken zugekehrt werden. Allerdings ist ihr Ort richtig zu bestimmen. Geld, Einfluss und Wissen sind immer nur Mittel, die wohlüberlegt und bedacht eingesetzt werden sollten. Es ist nichts, worauf das Herz gänzlich allein vertrauen sollte.

Unser Herz können wir verschenken. An Gott. Er liebt uns. So wie wir sind. Bedingungslos. Mit unserem Scheitern, unseren Verletzungen, unseren Fehlern. Wir sind getragen von Gott, der zu uns Ja sagt.

Diese Liebe zu Gott, diese Liebe zum Leben befreit. Denn sie mahnt zum Umdenken. Man soll sich nicht durch das Geld und die Wirtschaft, das ständige Wachstum, das Immer-mehr das Leben bestimmen lassen. Sich nicht zu verbiegen, nur um anderen zu gefallen oder es noch besser zu machen als andere.

Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu und dient ihm allein. Am 6.März beginnt mit dem Aschermittwoch die Passionszeit. Eine Zeit, die bewusst gestaltet werden kann, um sich Gott zuzuwenden,  ihm mitten im geschäftigen Alltag Raum zu geben,  innezuhalten, sich zu besinnen, umzukehren, versuchsweise etwas anders zu machen, vielleicht auf etwas zu verzichten. Und damit Gott Raum zu geben und zu hören, was Gott zu sagen hat.

„Mal ehrlich. Sieben Wochen ohne Lügen“ ist das Thema der Fastenaktion der evangelischen Kirchen in diesem Jahr. Der Wahrheit auf der Spur sein, selbst wahrhaftig und ehrlich sein. Und auch Gottes Wahrheit nachzuspüren. Wer Gott ist, wie er ist, was ihn ausmacht – danach suchen wir, darum ringen wir immer wieder. Gott macht sich zu uns auf den Weg, er findet uns. Von ihm dürfen wir alles Gute erhoffen und zu ihm in allen Nöten Zuflucht nehmen.

Pfn. Juliane Göwecke