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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch Juni

Monatsspruch

Liebe Gemeinde, 
auf der Titelseite sehen Sie schon die Einladung zu unserem Reisesegengottesdienst am 1. Juli. Die Sommerferien kommen langsam in Sichtweite, und wer keine schulpflichtigen Kinder hat, nutzt jetzt vielleicht schon die Zeit und das schöne Wetter, um zu verreisen. Zeit für Erholung, Zeit für neue Eindrücke, Zeit für Begegnung. Die eigenen vier Wände hinter sich lassen, den Horizont erweitern. Vielleicht machen Sie dabei auch die Erfahrung von Gastfreundschaft.

Mit meiner Familie werde ich diesen Sommer auch wieder Freunde besuchen, die weiter weg wohnen. Wir freuen uns auf das Wiedersehen, auf die Gespräche bei Rotwein und Käse, wenn die Kinder schlafen. Solche Urlaubstage sind mir wertvoll.

Gastfreundschaft im Urlaub gibt es nicht nur bei Freunden. Vielleicht haben Sie es in den südlichen Ländern schon selbst erlebt. Wenn man sich von den Touristenströmen entfernt, dann können einem tolle Begegnungen geschenkt werden. Auf den freundlichen Wortwechsel mit einem älteren Ehepaar folgt die Einladung in ihr Haus, unversehens sitzt man bei einer Tasse Kaffee zusammen, kommt ins Reden, erfährt, was die Leute in diesem Landstrich bewegt, was ihre Freuden und Sorgen sind, und wo es besonders schön ist. Solche Begegnungen können zu den schönsten Urlaubsmomenten werden.

„Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ Im Hebräerbrief ist dies als Aufforderung zu verstehen, durchreisende Gäste aus anderen Gemeinden aufzunehmen. Gastfreundschaft bezieht sich nicht auf die Freunde, auf die Familie, die man sowieso gut kennt. Ihnen Gastfreundschaft zu gewähren, das ist keine große Hürde. Gastfreundschaft bezieht sich auch auf Fremde, auf die, die man nicht kennt.

„Aber da weiß ich doch gar nicht, wen ich mir da ins Haus hole!“ Mit diesem Einwand lässt sich der Gastfreundschaft schnell ein Riegel vorschieben. Die Tür bleibt verschlossen. Der Verfasser des Hebräerbriefes greift dieses Argument auf. Und wendet es in eine andere Richtung: „Genau. Du weißt nicht, wen du dir ins Haus holst. Es könnte auch ein Engel sein!“

Engel kreuzen manchmal ganz unscheinbar unsere Wege. Sie sind leicht zu verwechseln. Man kann sie nicht an einem Heiligenschein oder an Flügeln erkennen. Sie sehen wie ganz normale Menschen aus. Und sind doch Boten Gottes. So hatten Abraham und Sarah Besuch von drei Männern. Durch sie haben sie von der bevorstehenden Schwangerschaft Sarahs erfahren. Diese Botschaft wäre ihnen entgangen, hätten sie die drei Männer abgewiesen. Auf diese Begegnung bezieht sich der Verfasser des Hebräerbriefes mit seiner Aufforderung

Engel zeugen von Gottes Nähe, sie verbinden Himmel und Erde wie die Himmelsleiter in Jakobs Traum. Um sie zu erkennen, braucht es einen offenen Blick und ein offenes Haus. Das Geschenk dafür ist groß.

Und auch wenn es nicht immer Engel sind, die wir beherbergen dürfen, ist Gastfreundschaft ein Gewinn. Denn wer sich immer nur mit den gleichen Menschen umgibt, der gewinnt keine neuen Perspektiven. Ihnen geht es wie dem Frosch, der sein ganzes Leben nur in seinem Brunnen gelebt hat. Irgendwann trifft er auf andere Frösche, die auch nur ihren eigenen Brunnen kennen. Auf viele Frösche. Das gibt vielleicht ein fröhliches Gequake. Aber so viel sie sich auch austauschen, die Weite des Ozeans werden sie damit nie erfahren. Wer dagegen mit fremden Menschen ins Gespräch kommt, dem eröffnen sich neue Horizonte, der macht neue Entdeckungen. Stundenlang kann er über Gott und die Welt ins Gespräch kommen, diskutieren, philosophieren. Was auf dem Tisch zu essen steht, ist dabei gar nicht so wichtig. Gastfreundschaft muss nicht bedeuten, stundenlang in der Küche zu stehen und viel vorzubereiten. Es muss nicht das Kalb sein, dass Abraham für seine Gäste schlachtet. Es kann auch reichen, etwas mehr Wasser in die Suppe zu tun, damit sie für alle reicht. Wer seine Tür offen hält für Gäste, dem werden auch zu Hause neue Erfahrungen geschenkt. Und wer weiß, vielleicht begegnet er oder sie sogar einem Engel.

Pfn. Juliane Göwecke