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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch März

Monatsspruch

Liebe Gemeinde,           
„Es ist vollbracht!“, sagt meine Freundin „mit dem Frühjahrsputz bin ich nun durch. Dann kann Ostern ja kommen!“ Vor Bewunderung staunend fragte ich: „Du hast wirklich alle Fenster geputzt und die Küchenschränke ausgewischt, die Gläser in der Vitrine abgewaschen und die Kleiderschränke durchsortiert?“ „Ja, und die Gardinen gewaschen, die Teppiche mit Schaumreiniger behandelt und die Couch auch.“ Die ganze Wohnung roch frisch und strahlte, aber meine Freundin strahlte nun nicht mehr. „Aber eigentlich wollte ich auch noch Papiere sortieren und das Bad neu streichen. Und in der Küche brauche ich unbedingt mal neue Gardinen. Aber jetzt kann ich nicht mehr. Soviel habe ich geackert in den letzten 14 Tagen, doch es ist immer noch nicht genug. Eigentlich müsste ich noch so viel tun. Und du? Wie schaffst du das denn?“, fragt sie mich.

Einen Moment muss ich nachdenken. Dann sage ich: „Weißt du, ich finde es schon schön, wie du auf so viel getane Arbeit zurückblicken kannst. Ich nehme mir nie die Zeit, solch einen Großputz zu machen. Ich mache immer mal ein Zimmer oder eben nur die Fußböden oder nur ein paar Fenster. Da kann ich mich auch dran freuen, wenn ich etwas geschafft habe, aber so wie du das jetzt gesagt hast: ‚Es ist vollbracht!‘. Das kommt bei mir eigentlich nicht vor.“

„Naja“, sagt sie „das war auch eher so eine Anspielung auf die Worte Jesu am Kreuz. Ich dachte, du lachst mich gleich aus oder weist mich zurecht, dass man so ja wohl nicht reden könne, nur weil man einen Frühjahrsputz hinter sich hat. Aber nach der Schinderei die letzten zwei Wochen darf ich ja vielleicht auch mal sagen ‚Es ist vollbracht!‘ oder?“

Da musste ich schmunzeln. „Aber so wie Jesus am Kreuz fühlst du jetzt hoffentlich nicht? Und du bist ja auch noch längst nicht fertig, wie du gesagt hast?“

„Naja, wenn ich abends zur Ruhe komme, dann merke ich schon, was ich die letzten zwei Wochen so getan habe. Aber sag‘ mal“, fragt sie mich dann: „Was hat Jesus denn geschafft, als er am Kreuz hing? Als er starb? Wozu hat er das denn gesagt: ‘Es ist vollbracht!‘, wo doch alle nur wenige Minuten später sehen konnten, dass er tot war? Da war sein Leben hier als Mensch zu Ende. Aber ‚vollbracht‘? Was soll das heißen?“

Nun, ich denke, wir sagen wohl nur selten von unserem Tun: „Es ist vollbracht!“ Eher heißt es „Ich hab’s geschafft, aber ich bin nun auch geschafft.“ Das Wort „vollbracht“ klingt zu erhaben und das ist es auch. Jesus sagt damit, dass er alles getan hat, was Gott, sein Vater, für ihn vorgesehen hatte. Er hat das Werk des Heils für uns vollbracht, indem er sein Leben als Mensch gelebt hat und indem er all unsere Schuld nun ans Kreuz mitgenommen hat. Er hat unsere Unzulänglichkeiten weggetragen. Denn uns fällt ja immer noch etwas ein, was zu tun wäre. Oder etwas, was wir wieder nicht geschafft haben. Oder uns wird plötzlich deutlich, dass all das, was wir tun und worum wir uns bemühen, ja doch recht unbedeutend ist. Jesus aber hat seinen Auftrag zu Ende geführt, bis in den Tod am Kreuz. Es ist vollbracht!

Diese Worte Jesu können uns helfen, dass wir uns nicht überfordern mit all den Dingen, die wir meinen noch tun zu müssen. Sie können uns helfen, nicht zu resignieren vor dem Berg an Aufgaben, den wir manchmal vor uns sehen. Und die Worte Jesu können uns auch davor bewahren, unser Tun und Leben als viel zu unbedeutend einzuschätzen. Jesus Christus ist seinen Weg für uns gegangen – für jede und jeden einzelnen von uns. Und er ist seinen Weg bis zum Ende gegangen, bis zum Tod am Kreuz, damit wir wissen dürfen: Es ist vollbracht!

Alles wirklich Wesentliche ist schon getan, weil Jesus Christus es für uns getan hat.

Gewiss, er macht nicht unseren Frühjahrsputz oder bringt die Wohnung in Ordnung, aber er bringt unser Leben in Ordnung. Ja, er hat es schon in Ordnung gebracht. Es ist vollbracht! Gott sei Dank!

Ihre Pfn. Dagmar Heine