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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch Oktober

Monatsspruch

Liebe Gemeinde, 
der Sommer ist vorbei – wir feiern Erntedank. Ja, der ökumenische Erntedankumzug liegt sogar schon hinter uns. Es geht nun durch den Oktober, der mit dem 500. Reformationsjubiläum endet. Ob es wenigstens ein „goldener“ Oktober wird, wo doch der Sommer für viele gefühlt kein richtiger war? Wir wissen es nicht. Wir können nur hoffen. Oder können wir doch etwas tun? Ja, etwas tun zu können, wäre gut!

Der Monatsspruch für den Oktober legt uns nahe, Buße zu tun. Aber ist denn das nötig – warum eigentlich? Die Engel Gottes würden sich freuen – schon über einen einzigen, der Buße tut, über jeden einzelnen. Doch Buße tun macht keine Freude, wenn ich es mir recht überlege. Schließlich ist es doch mit der Buße so: wenn man gegen ein Gesetz verstoßen hat und angezeigt worden ist, bekommt man von der Behörde einen Bußgeldbescheid, mit dem man aufgefordert wird, zur Buße – zur Strafe also oder auch zur Wiedergutmachung - einen bestimmten Geldbetrag zu zahlen.

So wird dann das biblische Wort von dem „Sünder, der Buße tut“ leicht missverstanden, als wenn man sich nun irgendwie selbst bestrafen solle. Da tauchen dann Bilder auf von mittelalterlichen „Geißlern“, die durch das Land zogen und sich für ihre Sünden selbst auspeitschten, um Gottes Strafe abzuwenden. Oder das Bild von Menschen, die sich auf den Knien zu einer Pilgerstätte hinbewegen.

Und in dem Bibelvers hier ist dann auch noch die Rede von den Engeln Gottes, die sich darüber freuen. Was soll denn das für eine Freude sein? Mir kommt da nur Schadenfreude in den Sinn. Aber Engel mit Schadenfreude? Das kann ich mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen.

Leider legt uns der heute übliche Gebrauch von „Buße“ durch Worte wie Bußgeldkatalog und Verkehrssünderkartei ein Verständnis nahe, wie es doch so nicht gemeint war.

Ich kann nicht durch Ableistung einer Strafe und schon gar nicht durch Bezahlung eines Bußgeldes dafür sorgen, dass ein Fehler, den ich gemacht habe, bei Gott als wiedergutgemacht gilt. Es gibt nichts, wodurch ich mich bei Gott lieb Kind machen kann.

Oder doch?

Der Monatsspruch sagt schließlich: Buße tun und dann wird Freude vor den Engeln Gottes sein.

Andere Bibelübersetzungen geben uns da einen Hinweis, denn „Buße tun“ wird auch oft einfach als „umkehren“ übersetzt.

Ja, das ist es, was wir tun können: umkehren.

Und um umzukehren, muss ich vorher innehalten und überlegen, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin mit meinem Leben, mit meinem Handeln, mit meinen Gedanken. Ich muss meine Vorstellungen und Wünsche überprüfen und nicht einfach so weitermachen wie immer. Sondern mich darum bemühen, es anders und besser zu machen.

Es geht nicht darum, sich Vorwürfe zu machen und Strafen aufzuerlegen, wenn ich erkannt habe, dass ich Fehler gemacht habe. Denn durch Strafen und Selbstvorwürfe wird nichts besser.

Wenn ich aber den Mut habe, umzukehren, meinen bisherigen Weg kritisch zu überprüfen und nötigenfalls zu verlassen, mich auf Neues einzulassen und nach dem richtigen Weg zu suchen – ja, dann wird Freude sein vor den Engeln Gottes, wahre Freude!

So möchte ich Ihnen Mut machen, selbstkritisch auf das zu schauen, was wir tun und denken, wie wir handeln und leben. Und ich möchte Ihnen Mut machen, auch mal umzukehren und Neues zu wagen.

Und dabei wünsche ich Ihnen, dass es ein goldener Oktober für Sie wird voller Freude und neuer Entdeckungen – ganz unabhängig davon, ob das Wetter nun mitspielt oder nicht!

Ihre Pfn. Dagmar Heine