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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch April

Monatsspruch

Liebe Gemeinde, Frauen aus Galiläa, die Jesus nachgefolgt sind, begleiten ihn auch auf seinem letzten Weg. Sie verfolgen Jesu Gang nach Golgotha und sehen bei seiner Kreuzigung zu. Von Ferne beobachten sie, wie er von den Oberen, den Soldaten und dem Volk verspottet wird. Von Ferne sehen sie, wie Jesus am Kreuz stirbt.

Was mag in diesen Frauen aus Galiläa dabei vorgegangen sein? Mit welchen Gefühlen beobachten sie dieses Geschehen? Nehmen sie mit Erschrecken wahr, was mit Jesus geschieht? Können sie gar nicht glauben, was man mit Jesus macht – erscheint es ihnen wie ein schlechter Scherz? Vielleicht empfinden sie auch Enttäuschung – hatten sie doch viele Hoffnungen mit Jesus verbunden. Für ihn hatten sie ihr bisheriges Leben, ihre Familien verlassen. Er hatte sie fasziniert mit seiner Rede von Gott als Vater, mit seinen Wundern, mit seiner Liebe, mit der er den Menschen begegnete. Ihnen, den Frauen, war er auf Augenhöhe begegnet. Das kannten sie so nicht. Und nun endete dieser Mann, von dem sie so viel erwartet haben, am Kreuz. Enttäuschung, dass nun alles vorbei sein soll. Vielleicht auch leiser Zweifel, ob Jesus alles richtig gemacht hat. Ob sie selber alles richtig gemacht hatten, dass sie Jesus nachgefolgt sind. Vielleicht spüren sie aber auch Protest. Vielleicht möchte die eine oder andere der Frauen losstürmen, den Soldaten Einhalt gebieten, Jesus helfen. Aber auch Angst werden sie gehabt haben: wenn Jesus gekreuzigt wird, was wird man dann mit seinen Anhängern machen?

Jesus stirbt am Kreuz. Die Welt hat ihr Urteil über ihn gesprochen, seinem Tun ein Ende gesetzt. Sein Tod: ein Fakt, der feststeht. Unumstößlich.

Die Frauen aus Galiläa gehen nicht. Sie sind dabei, als Jesus bestattet wird. Am Tod Jesu können sie nichts ändern. Aber sie können ihm den letzten Dienst erweisen. So bereiten sie gleich nach der Grablegung Öle und Salben zu, mit denen sie Jesus salben wollen. Den Sabbat über halten sie wie vorgeschrieben Ruhe. Doch dann, gleich am folgenden Morgen, machen sie sich auf den Weg zum Grab Jesu, um ihn zu salben.

Der Stein vor dem Grab ist weggewälzt. Die trauernden Frauen finden Jesus nicht im Grab. Das macht sie ratlos. Ob jemand den Leichnam gestohlen hat? Das wäre eine naheliegende Erklärung.

Es liegt nicht auf der Hand, was dann geschieht. Die Frauen aus Galiläa erschrecken, als sie im Grab zwei Männer sehen. Und diese berichten, was kaum zu glauben ist: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden."

Jesus lebt, er ist auferstanden. Ja, er ist wahrhaftig auferstanden. Wie hören die Frauen diese Worte? Mit Staunen? Mit Glauben? Mit Hoffnung? Mit Zweifel? Die Männer geben ihnen eine Hilfe zum Begreifen: "Erinnert euch, Jesus hat selbst von seiner Auferstehung gesprochen." Und da gehen sie weg, erzählen den anderen Jüngern, was sie von den beiden Männern gehört haben. Und die Jünger? Sie halten es für Geschwätz, was die Frauen reden. Es erscheint ja auch unglaublich: "Jesus ist auferstanden". Den Jüngern erscheint der Auferstandene dann selbst. Und so erleben sie: was die Frauen erzählt haben, ist wahr.

Wie hören Sie die Osterbotschaft? Mit Staunen? Mit Glauben? Mit Hoffnung? Mit Zweifel? Als Geschwätz? Uns erscheint der Auferstandene nicht. Wir sind an das Wort gewiesen, an die Erzählungen, was damals passiert ist. Sie klingen unglaublich. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Die Gewalt siegt nicht. Gott ist stärker. Das Leben, die Liebe siegen.

Wie die Frauen aus Galiläa können wir aufbrechen und anderen erzählen: nicht die schlechten Nachrichten über Krieg, Hunger, Tod und Leid werden siegen. Spuren von Gottes Liebe sehen wir heute: wenn Menschen nicht an sich denken, sondern anderen Menschen ihre Zeit schenken. Oder wenn eine Frau die Trauer um ihren Mann überwindet, ihr Leben neu ordnet, sich an neue Ziele wagt und wieder lachen kann. Spuren von Gottes Liebe, Aufbrüche ins Leben, die der Hoffnung und dem Glauben Nahrung geben.

Pfn. Juliane Göwecke