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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch November

Monatsspruch

Liebe Gemeinde, 
am Ende eines Kirchenjahres denken wir zurück an den Sommer, die Ernte, den Erfolg, den neuen Lebensabschnitt. Wir denken an Glück, Freude, Liebe, Verlust und Trauer. Woran wir festhalten wollen, ist das Licht. Jetzt, wo die Tage merklich kürzer werden, wird die Sehnsucht nach Licht wieder größer. Ich denke an einen Satz aus dem Gedicht von Hermann Hesse „Im Nebel“: Voll von Freunden war mir die Welt, als noch mein Leben Licht war….

Auch Petrus erinnert als Apostel seine ersten christlichen Gemeinden an die lichte und damit erkennbare Zeit. Wie schön war es, mit Jesus durch das Land zu reisen. Interessant war zu lernen, wie man Gottes Liebe im Alltag leben kann. Und so erinnert er seine ersten Gemeinden  an ein christliches Leben und einen lebendigen Glauben, der aus der Beziehung zu Gott die Lebenskraft gewinnt, welche die Lebensangst in Lebensfreude verwandelt.

Mich erinnert der Apostel Petrus an ein Urlaubserlebnis Anfang der 90er Jahre: Mit meiner Frau und einem alten Passat, 54 PS, fuhren wir durch die Berge in Norwegen. Ewig lange unbeleuchtete Tunnel durchbohrten die Berge. Man fuhr in ein dunkles Loch. Das Gestein reflektierte nur spärlich das Scheinwerferlicht. Zwischendurch lagen kleinere heruntergefallene Felsbrocken auf der Straße. Auch aufgrund der Steigung wurde das Auto oft langsamer, die Luft immer stickiger und der Motor immer heißer. Alleine im Tunnel, kein Gegenverkehr und niemand als Lotse vor einem.

Immer bedrückender wurde meine Stimmung. Schaffen wir es? Ist der Weg frei? Und kein Land in Sicht - 6 Kilometer gefahren. Und endlich bildet sich am Horizont ein kleiner Lichtpunkt, der immer heller wird. Endlich Licht. Die beklemmende Stimmung löst sich. 3 Kilometer weiter sehen wir endlich wieder die Weite des Landes, Berge, Dörfer und die Fjorde.

Petrus möchte seinen Anvertrauten Mut machen. Und so bringt er die Zusage, die sich im Monatsspruch zeigt, in Verbindung mit dem Anspruch Gottes an uns.

Umso fester… . Mit diesen Worten wird der Hauptsatz eingeleitet, der sich auf den Vers 10 bezieht: Je mehr ihr, liebe Schwestern und Brüder in ein christliches Leben (siehe Satz 5ff) gefunden habt, umso fester vertrauen wir auf Gottes Wort.

Das prophetische Wort ist Gottes Wort.

Dieses Wort „scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen“. Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht...  So beginnt ein Kinderlied. Gerade jetzt, wo das Licht am Tage weniger wird, können wir von dem Licht zehren, das der Glaube in uns entfacht. In meiner Angst im Tunnel habe ich auch dieses Licht des Glaubens erlebt und damit den Mut bekommen, durch die bedrückende Dunkelheit zu fahren.

Gottes Wort als Lebenslicht annehmen. Damit wird nicht nur das eigene Leben erkennbar, sondern dieses Licht macht mich erkennbar auch für meinen Nächsten.

Am Ende des Kirchenjahrs werden wir wieder in die lebensbejahende Verbindlichkeit des Glaubens an Gott gerufen. Wir werden nicht in der Finsternis umkommen, weil wir auf Gottes Zusage vertrauen können.

Der Morgenstern weißt uns den Weg zum Heil. Wir erwarten den Heiland, der sich uns als Kind in der Krippe zeigt. Doch noch ist nicht Weihnachten. Das Wort Gottes wird zum Licht, das uns ins ewige Leben führt. Petrus hat erlebt, wie Jesus verklärt wurde. In einer Wolke voller Licht wird er zu seinem Vater gerufen. In diesem Offenbarungsereignis war das Licht Gottes der Schlüssel zum ewigen Leben.

Und wir gewinnen jetzt in der dunkel werdenden Zeit die  Zuversicht. Denn es ist Gottes Licht, das uns aus der Finsternis ins ewige Leben führt. Voll von Freunden und Freude war mir die Welt, als mein Leben noch licht war…

Mit dem Wort Gottes habe ich mein Lebenslicht wieder entdeckt und damit die Lebensfreude gewonnen.

Dieses Licht wünsche ich Ihnen in den dunklen Tagen. Möge dieser Morgenstern auch in Ihrem Herzen aufgehen.

Ihr Pfr. Markus Sehmsdorf