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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch Oktober

Monatsspruch Liebe Gemeinde,

Freiheit ist eines der „Großen Worte“*  - so wie Liebe, Hoffnung und sicherlich auch Gott. Worte, die im alltäglichen Gebrauch selbstverständlich verwendet werden. Die wir selbst häufig gebrauchen und eine klare Vorstellung davon haben, was wir in dem Mo-ment damit meinen. Doch sind diese Worte so groß und weit, dass ein anderer Mensch darunter etwas gänzlich anderes verstehen mag. Ist es denn einem frisch Verliebten je gelungen, einem anderen seine Gefühle auch nur annähernd zu erzählen? Kann man beschreiben, was es bedeutet, noch Hoffnung zu haben, dass nicht alles zu spät ist?

Ebenso verhält es sich mit den vielen Großen Worten, die ganz unwillkürlich immer mit der eigenen Lebenssituation verknüpft werden. Frage ich nach dem Begriff Freiheit, so wird jeder ihn mit den eigenen Erfahrungen füllen. Gibt es überhaupt die eine Freiheit, die wir erfahren und über die wir uns austauschen können?

Es ist noch nicht lange her, da gab es Deutschland zweimal auf der Landkarte. In Berlin waren sich diese beiden besonders nah. In den Gesprächen, die ich mit älteren Berlinern führe, fällt früher oder später immer die Bemerkung: Aber dit war ja West-Berlin. Andere wiederum legen Wert darauf, dass sie im Ostteil der Stadt einen manchmal beträchtlichen Teil ihres Lebens verbracht haben. Was dabei rauskommen würde, wenn man diese beiden Teilnehmer an der deutschen Geschichte heute, über 25 Jahre nach dem Mauerfall, an einen Tisch setzt und sie über ihren Begriff von Freiheit reden lässt, mag sich jeder selber denken.

Doch auch aktuell gibt es mehr als genügend Beispiele auf der Welt, in denen Männer und mehr noch Frauen ihrer Freiheit beraubt sind. (Von den ungezählten Tieren ganz zu schweigen.) Doch der Drang nach Freiheit ist stark, so mächtig, dass Menschen - zu DDR-Zeiten wie heute - ihr Leben riskieren, um der Gefangenschaft zu entgehen. Die zeitweilige Öffnung der Balkanroute mag da nur ein Vorgeschmack gewesen sein, der uns gezeigt hat, welche beschwerlichen Wege andere auf sich nehmen für unsere demokratische Ausprägung von Freiheit und was wir darunter verstehen und wie wir sie täglich leben im früher sogenannten „Christlichen Abendland“.

Nicht wenige davon sind unterwegs, weil auch sie ihren Glauben in Freiheit leben wollen. Denn es sind auch viele, die derzeit unterdrückt oder eingesperrt sind, eben weil es in ihrer Heimat keine Religionsfreiheit gibt. So zeigen sie uns, denen diese Errungenschaft, die im Grundgesetz verankert ist, eine Selbstverständlichkeit ist, dass unser Glaube es wert ist, auch heute noch sein Leben dafür zu riskieren.

Ich höre auch Berichte über Konvertierte, die in ihrem Heimatland aufgrund ihrer Hinwendung zu Jesus Christus inhaftiert in einer Gefängniszelle landen. Welche Kraft muss diese Menschen stärken, die sie noch hinter Gittern daran festhalten lässt: Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist (wahre) Freiheit!

Ich kann derzeit nur staunen, dass vielerorts Untergrundkirchen und Hausgemeinden in arabischen Ländern unter abenteuerlichen Bedingungen aufblühen. Mit dem Geist des Herrn geht Freiheit einher. Und diese Freiheit hat viele Facetten und wird auf vielerlei Weise erfahren. Aber sie hat immer den einen Ursprung und ruft danach, (mit)geteilt zu werden - sei es nun im Iran, in Afghanistan oder in Berlin-Lichtenrade.
Ihr Vikar Arne Warthöfer

*1 Weiterführend hierzu: www.ohne-grosse-worte.de, eine Seite des Zentrum für ev. Predigtkultur.