Facettenkreuz Logo der Gemeinde

Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch September

Monatsspruch

Liebe Gemeinde,

der Sommer ist vorbei, zumindest fast. Gewiss, ein paar warme Tage wird es noch geben – Altweibersommer. Doch lässt es sich nicht leugnen, es wird Herbst. Die Tage deutlich kürzer, wenn auch immer noch in Sommerzeit. In den frühen Morgenstunden ist es jetzt kühl und riecht so ganz anders als im Sommer, ja, es riecht eben nach Herbst. Die Störche und andere Zugvögel sind nun fort, das Leben in der Natur wird ruhiger – bis in ein paar Wochen die Blätter sich färben und beginnen zu fallen. Die Natur scheint zu sterben, jeden Herbst wieder. Und wir? Wir versuchen wohl, uns damit zu arrangieren – holen die warmen Pullover wieder raus und überlegen, ob wir für den bevorstehenden Winter noch gute Stiefel und eine warme Jacke haben. Und wenn nicht, dann können wir ja jetzt mal einen Einkaufsbummel wagen. Sie werden staunen. Die Geschäfte sind der Natur immer Meilen voraus – die warmen Sachen und Stiefel gibt es schon seit Wochen!

Und das, obwohl der Sommer auch jetzt noch nicht ganz vorbei ist und erst einmal der Herbst kommt - mit herrlich bunten Farben, reifem Obst und Gemüse und dem schönen Erntedankfest.

Da kommt der Satz aus dem Buch des Propheten Jeremia doch wie gerufen – von Gottes Güte und Liebe ist da die Rede. Ja, daran wollen wir denken, dafür auch danken, dass Gott mit seiner Güte und Liebe uns begleitet, Tag für Tag, Schritt um Schritt.

Mancher denkt aber vielleicht auch: ‚Ist dieser Vers aus dem Buch des Propheten Jeremia nicht ein Spruch für den Friedhof?‘ Jedenfalls dann, wenn wir sagen können: „Dieser Tod war eine Erlösung.“ Dann tröstet uns der Glaube, durch den wir bekennen können: „Ja, das war Gottes Liebe und Güte, dass Gott diesen Menschen nun zu sich genommen hat.“ Und das ist auch gut so, wenn wir darauf vertrauen können, dass Gott selbst im Tod noch mit Liebe und Güte an uns handelt.

Allerdings, wenn wir in die Bibel schauen, in das Buch des Propheten Jeremia im 31. Kapitel, da ist vom Tod nicht die Rede. Jeremia spricht hier davon, dass Menschen von Gott in ein neues Leben gerufen werden, in ein Leben, das mit Gottes Liebe und Güte rechnet. Zuvor waren die Israeliten hochmütig gewesen, meinten, sie könnten alles, und zwar ohne Gott. Gott muss in die Überlegungen für das tägliche Leben nicht einbezogen werden und schon gar nicht in die Politik, meinten sie. An Gott denken wollen wir zu den Feiertagen, das Leben ansonsten müssen und werden wir selber meistern, ohne Gott. Vielleicht kommt uns das ein wenig bekannt vor - zu Erntedank werden wir Gott danken für die Gaben, die wir zum Leben brauchen. Und wenn erst Advent und Weihnachten wird, dann besinnen wir uns darauf, was Gott für uns getan hat aus Liebe und Güte. Aber im Alltag ist für das Danken oft wenig Zeit. Und auf Gottes Güte und Liebe können wir da auch nicht warten, denken wir vielfach. Da müssen wir uns schon selber an die Arbeit machen, unseren Verstand nutzen und auch unsere eigenen Kräfte. Den Alltag müssen wir alleine bewältigen. Wirklich?

Das Volk Israel ist zu Zeiten des Propheten Jeremia mit genau dieser Haltung gründlich gescheitert. Ihre Politik führte sie in den Krieg, den sie nicht gewinnen konnten. Das Land kam unter fremde Herrschaft und viele wurden als Gefangene nach Babylon gebracht, um dort für fremde Herren zu arbeiten. Wahrscheinlich war auch Jeremia unter diesen Kriegsgefangenen. Gewiss, Gott hatte zunächst geschwiegen, hatte die Menschen die Strafe für ihr eigenmächtiges Handeln tragen lassen als Untergebene in der Fremde. Nun aber lässt er ihnen sagen, dass seine Liebe und Güte unerschütterlich sind und dass er ein neues Leben für sie will, in Freiheit, in der Heimat. Wir wissen heute, wie die Geschichte weitergegangen ist: Sie gehen zurück und bauen wieder auf. Und es geht gut, solange sie auf Gottes Güte und Liebe bauen – auch im Alltag, an jedem neuen Tag.

Gott ist nicht nur für die Feiertage da, sondern möchte auch in unseren Alltag mit einbezogen werden. Wer das zulässt, wird erfahren, dass er so gelassener, tatkräftiger und glücklicher leben kann.

Das jedenfalls wünsche ich Ihnen – für alle Tage im September, nicht nur zum Erntedankfest!

Ihre Pfn. Dagmar Heine