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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Monatsspruch Juni

Monatsspruch

Liebe Gemeinde,

er hatte oft ein Lied auf den Lippen. Wenn er die Treppe zur Bibliothek hinaufging, hörte man ihn singen. Und wenn wir in der Pause zwischen den Vorlesungen im Innenhof der Universität saßen, konnte es passieren, dass ihm zu unserem Gespräch das passende Lied einfiel und er es vor sich hin summte. Das konnte ein Titel aus den aktuellen Charts sein, genauso aber auch ein altes Kirchenlied. „Ich habe ständig Lieder im Kopf“, sagte er einmal. „Und dann fange ich an zu singen. Geht euch das auch so?

“Auch ich singe gerne. Und wenn ich in einer der kleinen Nebenstraßen in Lichtenrade unterwegs bin, ich mich unbeobachtet fühle, dann singe ich auch manchmal auf der Straße. Besonders wenn die Sonne scheint, wenn ich gute Laune habe und entspannt bin. Bei schlechtem Wetter oder wenn mir etwas die Stimmung verhagelt hat, bleiben mir die Lieder im Halse stecken.

Der Monatsspruch für Juni ist Teil eines langen Liedes, gesungen von Mose und den Israeliten. Es ist ein Lied, in dem große Erleichterung zu spüren ist. Es ist ein Dankeslied und ein Loblied für die Rettung, die sie durch Gott erfahren haben.

In Ägypten mussten sie schwere Arbeit verrichten, auf den Feldern und beim Bau. Sie wurden hart angetrieben und bedrückt. Trotz Bitten von Mose wollte der Pharao das Volk Israel nicht ziehen lassen. Er ließ nicht mit sich verhandeln, war unnachgiebig. Unter der Führung von Gott fliehen die Israeliten schließlich vor den Ägyptern. Doch sie werden von ihnen verfolgt. Das Volk Israel hat große Angst, bereut die Flucht. Aber Gott ist auf ihrer Seite, er rettet sie und teilt das Schilfmeer. Die Israeliten können ungehindert durch das Meer hindurchgehen. Die nachfolgenden Ägypter ertrinken hingegen in den Fluten.

Dankbar und erleichtert über ihre Rettung besingen die Israeliten Gottes Tat und das geschehene Wunder.

Was sie erlebt haben, wird zur Grunderfahrung des Volkes Israel: zum Beispiel erinnern in Zeiten der Not die Propheten an die Rettung am Schilfmeer, begründen damit das Vertrauen, dass das Volk Israel in Gott haben kann.

In schwierigen Situationen kann es helfen sich zu erinnern: wo habe ich schon einmal Hilfe von Gott erfahren? Oder wo hat Gott anderen geholfen? Diese Erinnerung kann Kraft spenden, durch die Not hindurchzugehen und trotz aller Probleme darauf zu vertrauen, dass Gott den Weg weist und ihn sicher führt.

„Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.“ Dieses Wort aus dem Lied der Israeliten passt also nicht nur in die Situationen des Dankes, sondern auch in die Momente, wo von Rettung gerade gar nichts spürbar ist.

Solche Momente mussten die Sängerinnen und Sänger dieses Liedes übrigens auch nach der Rettung am Schilfmeer wieder erleben. Denn es folgte eine 40jährige Wanderung durch die Wüste, in der sich die Männer und Frauen so manches Mal nach Ägypten zurückgesehnt hatten. Doch Gott war auch in diesen Wüstenzeiten bei ihnen. Am Schilfmeer hatte er ihnen auf herausgehobene Art und Weise gezeigt, dass er sie führt. In der Wüste, im Alltäglichen geriet das immer wieder in Vergessenheit. Aber Gott blieb ihr treuer Begleiter und führte sie ins gelobte Land hinein.

Er hatte oft ein Lied auf den Lippen. In einer Kaffeepause unterhielten wir uns über die Lieder. Er sagte: „Gerade die alten Kirchenlieder sind für mich ein großer Schatz. So viele Menschen haben mit ihnen schon Gott gelobt. Wenn ich sie singe, stelle ich mich mit ihnen in eine Reihe. Und wenn mir die Worte fehlen, kann ich mich mit ihnen ausdrücken. Ich schöpfe aus den Liedern viel Kraft.“

Ihre Pfn. Juliane Göwecke