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Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Lichtenrade

Jahreslosung 2016

Monatsspruch

Die Worte der Jahreslosung stammen aus dem Buch des Propheten Jesaja, der über eine lange Zeit das Schicksal des auserwählten Volkes, die Eroberung von Jerusalem und die Zeit des Exils in Babylon, mit Gott verbindet. Jesaja möchte mit seinem Gotteswort alte bestehende Grenzen vom Gottesbild aufbrechen, denn, auch wenn man sich kein Bild von Gott machen darf, so wird doch ein Bild von Gott durch die Sprache geschaffen. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau oder Kind, versucht diesen allmächtigen Gott in seinem Sinne zu vereinnahmen. Und so haben die Männer diesen Gott mit männlichen Attributen wie Tapferkeit, Machtbewusstsein, Konfliktbereitschaft und Stärke umschrieben. Doch Gott ist mehr, als die männlichen Eigenschaften aussagen. Gott wird in seiner ganzen Vielfalt und Größe von Jesaja den Menschen nahegebracht. Denn sie brauchen diesen Gott derAllmacht und den damit unbegrenzten Möglichkeiten.

Und so kann Gott trösten. Trösten wie eine Mutter.Trösten ist eine der liebevollsten Aufgaben, die wirzuerst einer Frau zutrauen. Denn trösten ist dieKunst, handelnde Liebe über alle Schuld und allesSelbstverschulden zu stellen. Natürlich haben auchdie Männer in der neueren Zeit gelernt, wirklich vonHerzen zu trösten. Martin Luther sagte: "Man kannnur mit dem Trost trösten, mit dem man zuvor getröstet wurde.

Trösten ist mit einem reichen Schatz an Erfahrungen verbunden. Ich denke an das Trösten meiner Oma, wenn ich mal wieder auf meine Knie gefallen war. Sie reinigte meine Wunde, goss eine brennende Jodtinktur zur Desinfektion darüber und klebte dann ein Pflaster über die Schürfwunde. Anschließend streichelte sie mit ihrer Hand darüber mit den Worten: Heile, heile, Segen, drei Tage Regen, drei Tage Sonnenschein, dann wird alles heile sein.

Und sie hatte Recht, ihre Worte wirkten wie Balsam. Getröstet ging ich. Doch erst später wurde mirbewusst, dass dieses Heil, das meine Oma fürmich erbeten hatte, eine Tat Gottes an mir ist. SeinSegen sorgt für das eigentliche Heilen. Wir könnenzwar unsere medizinischen Mittel einsetzen, dochdie Heilung der Wunden, ob an Körper oder Seele,müssen erbeten sein, wie in den Worten: Heile, heile, Segen ... Guter Trost leistet eine mögliche Erstversorgung und ein folgendes Segensgebet, alsogute Worte und vermittelt so Gewissheit für neueLebensfreude.

Ich will dich trösten, sagt dir Gott. Und Gottes Trostmöchte mehr. Dieser Trost möchte nicht die Wiederherstellung des alten Zustandes, wie in der Bitte meiner Oma, Gott möchte eine neue Hoffnung, einen Neubeginn proklamieren. Denn Leben fordert die Annahme von Veränderung, auch das Verschmerzen von Verlusten, die oft damit verbunden sind. Gott bietet ein Programm, nach den verheerenden Folgen des Krieges in Jerusalem, diesen trauernden und verletzten Menschen eine neue Zukunft zu versprechen, indem er an den Alten Bund erinnert: Du bist mein Volk, und ich will dein Gottsein, damit mein Segen dich tröstet.

Ich will dich trösten, spricht auch Gott zu dir. Und damit öffnet er die Grenzen seiner Ausgewählten. Du gehörst auch dazu. Dir gilt dieser neue Himmel und die neue Erde, die der Seher Johannes am Ende der Bibel verkündet. Ein neuer Horizont, eine neue Freiheit, eine neue Lebensfreude ist möglich, wo Gott wirken und segnen darf, bei denen, die Trost und Heil suchen.

Die Losung 2016 wurde schon vor drei Jahren gewählt, als noch nicht die Flüchtlingsströme unser Land erreichten. Aber aktuell sagt sie dir, dass diese Botschaft durch die Menschwerdung Gottes in der Krippe eine weitere Grenze einreißt, die Grenze seiner Liebe zu dir und zu deinem Nächsten, der auch unverhofft auf Trost angewiesen ist. Er traut dir zu, zu diesem Gott in aller Not und in aller Sorge zu beten, damit sein Segen auch dich heilt und zum Heil deines Nächsten wird.

Dann wird Frieden, wenn Gottes Trost in seiner unendlichen Liebe auch unser Herz zum Trösten freimacht. Dann wird Frieden, wenn unsere Schuld, die auch wir auf uns geladen haben, uns nicht mehr am Trösten hindert. So wünsche ich ein getröstetes Jahr. Gott begleite Sie/ Dich mit seinem Segen.

Ihr Pfr. Markus Sehmsdorf